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Wirtschaft und Menschenrechte - Jahrbuch Global Compact Deutschland 2018

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AGENDA Dazu zählen die

AGENDA Dazu zählen die Abwendung potenziell gravierender Reputationsschäden und die Stärkung des eigenen Risikomanagements. Viele deutsche Unternehmen sind außerdem unter dem britischen Modern Slavery Act oder dem CSR-Richtlinien- Umsetzungsgesetz berichtspflichtig, ähnliche Gesetze sind derzeit u.a. in Australien in Planung und zeugen von wachsenden Transparenzanforderungen. Die menschenrechtliche Performance eines Unternehmens rückt auch für Investoren und Geldgeber verstärkt in den Fokus. Risiken beschränken sich nicht auf die Lieferkette Die spezifischen Risiken moderner Sklaverei sind dabei von Land zu Land und von Branche zu Branche unterschiedlich. Generell besteht vor allem dort ein erhöhtes Risiko, wo wirtschaftliche, soziale und gesellschaftliche Rahmenbedingungen wie Armut, Ungleichheit, politische Instabilität, strukturelle Diskriminierung oder Krisen und Konflikte Menschen verwundbar gegenüber Ausbeutung machen. Überregional lässt sich beispielsweise beobachten, dass Arbeitsmigranten, Flüchtlinge und Binnenvertriebene besonders häufig Opfer moderner Sklaverei werden. Das bestätigen auch die jüngsten Schätzungen zu Opferzahlen der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO). Oftmals strukturell benachteiligt, ist es ihnen aufgrund ihrer besonderen Situation (keine Kenntnisse der Landessprache, kein soziales Netzwerk, hohe Abhängigkeit vom Arbeitgeber usw.) kaum möglich, ihre Rechte einzufordern und Hilfe zu suchen. Die Erfahrung zeigt außerdem, dass ein besonders hohes Risiko moderner Sklaverei und Ausbeutung in arbeitsintensiven, niedrigqualifizierten Aktivitäten besteht, in denen Arbeitskräfte schnell und einfach ausgewechselt werden können. Viele Unternehmen betrachten moderne Sklaverei in erster Linie als ein ihre Lieferketten und Auslandsgeschäfte betreffendes Phänomen. Doch die Studie zeigt: Wer sucht, der findet – auch in Deutschland und oftmals näher am eigenen Unternehmen als geglaubt. Denn gerade im Inland rücken auch Dienstleistungen wie Reinigung, Logistik oder Entsorgung in den Fokus. In seinem jüngsten Lagebild zum Menschenhandel in Deutschland weist das Bundeskriminalamt auf einen starken Anstieg der Fallzahlen im Bereich Menschenhandel zum Zweck der Arbeitsausbeutung hin. Zu den besonders betroffenen Wirtschaftszweigen gehören Baugewerbe, Landwirtschaft, fleischverarbeitende Industrie, Gastronomie und Gebäudereinigung, doch auch bei Automobilzulieferern oder im Speditionswesen wurden in den vergangenen Jahren Fälle von Ausbeutung publik. Beinahe ausnahmslos handelt es sich bei den Opfern um ausländische Staatsbürger, vornehmlich aus ost- und südosteuropäischen EU-Mitgliedsstaaten. Ganzheitliche Konzepte entwickeln und Transparenz herstellen Konzepte zur Bekämpfung moderner Sklaverei sollten dort ansetzen, wo Risiken entstehen. Die Studie bietet Unternehmen wertvolle Hilfestellungen für die Ermittlung und Bewertung von Risiken. Neben einer fundierten Risikoanalyse und Ursachenforschung erfordert die Entwicklung wirksamer Präventionsstrategien dabei auch die vermehrte Herstellung von Transparenz: Mit wem arbeiten wir zusammen? Von wem kaufen wir? Wer beschäftigt die Bauarbeiter, die aktuell unseren Firmensitz renovieren? Zu welchen Konditionen? Wie steht es um die Kapazität unserer Geschäftspartner, ihrerseits Risiken moderner Sklaverei zu erkennen und zu vermeiden? Bei alldem sollte nicht vergessen werden, dass moderne Sklaverei ein Extrem auf einem Kontinuum der Ausbeutung darstellt. Schlechte Arbeitsbedingungen an sich stellen nicht automatisch auch moderne Sklaverei dar. Gleichzeitig können sie aber, gerade in Kombination mit anderen Faktoren, zu Risiken moderner Sklaverei beitragen. Im Interesse eines effektiven Risikomanagements sollten Unternehmen solche Faktoren deswegen frühzeitig in den Blick nehmen, tragfähige Sorgfaltspflichtsprozesse entwickeln und gemeinsam mit Partnern an Lösungen arbeiten, anstatt zu warten, bis es zu schwerwiegenderen Verstößen kommt. Mehr Infos: Die Studie „Moderne Sklaverei und Arbeitsausbeutung – welche Relevanz für deutsche Unternehmen?“, herausgegeben vom DGCN und entwickelt von Ergon Associates, wurde Ende 2018 veröffentlicht. Sie geht der Frage nach, was moderne Sklaverei eigentlich ist, wie Risiken entstehen und weshalb auch deutsche Unternehmen sich mit der Thematik auseinandersetzen sollten. Neben Informationen zu den Anforderungen verschiedener normativer und rechtlicher Rahmenwerke, wie dem britischen Modern Slavery Act, enthält sie auch Orientierungshilfen für Unternehmen, die einen proaktiven Ansatz zum Umgang mit Risiken moderner Sklaverei entwickeln möchten. Fallstudien veranschaulichen am Beispiel einzelner Unternehmen aus verschiedenen Branchen, wie praktische Maßnahmen und Sorgfaltspflichtsprozesse zur Bekämpfung von moderner Sklaverei und Arbeitsausbeutung aussehen können. 22 globalcompact Deutschland 2018

Publikationen Moderne Sklaverei und Arbeitsausbeutung Herausforderungen und Lösungsansätze für deutsche Unternehmen Herausgeber: Deutsches Global Compact Netzwerk, November 2018 besonders in den Blick genommen. • Das dritte Kapitel widmet sich Fragen der Umsetzung und erörtert praktische Handlungsansätze für Unternehmen zum Auf bau effektiver Sorgfaltspflichtsprozesse. • Im vierten Kapitel werden Erfahrungen aus der Unternehmenspraxis im Rahmen von vier Fallstudien vertieft. Diese Studie geht der Frage auf den Grund, was moderne Sklaverei eigentlich ist, wie sie entsteht, warum das Thema auch für deutsche Unternehmen von Bedeu- tung ist und was Unternehmen tun können, um Risiken moderner Sklaverei und Arbeitsausbeutung im Zusammenhang mit ihren eigenen Aktivitäten und Liefer- ketten wirksam zu bekämpfen. Insofern richtet sie sich an interessierte Akteure aus Wirtschaft, Politik und Zivilgesellschaft, die sich auf praktische Weise mit diesen Fragestellungen auseinandersetzen möchten. Die Studie gliedert sich in vier Kapitel: • Im ersten Kapitel werden grundlegende Fragen zum Thema moderne Sklaverei beantwortet und auf die Bedeutung der Thematik für deutsche Unternehmen eingegangen. • Das zweite Kapitel beschäftigt sich mit der Prävalenz von Risiken moderner Sklaverei in der Praxis. Dabei werden Risiken in vier Schwerpunktsektoren (Automobilbranche, Hotelgewerbe, Lebensmittelbranche und Textilindustrie) Zuhören lohnt sich. Menschenrechtliches Beschwerde management verstehen und umsetzen Herausgeber: Deutsches Global Compact Netzwerk, Oktober 2018 Dieser Leitfaden soll deutschen Unternehmen, auch kleineren und mittleren, mit praxisnahen Anleitungen dabei helfen, die Herausforderung anzugehen, effektive menschenrechtliche Beschwerdemechanismen zu gestalten. Mit Beispielen aus der Unternehmenspraxis wird illustriert, dass von Ihrem Unternehmen keine vermeintlich perfekte One-Size-Fits-All- Lösung erwartet wird. Vielmehr geht es darum, verschiedene angemessene Zugangswege zu haben, über die potenziell von Ihrem Unternehmenshandeln Betroffene mit Ihnen in Kontakt treten können. Wie dieses „Ökosystem von Beschwerdemechanismen“ aussehen kann, wird von Ihrer individuellen Unternehmensstruktur und Ihrem Risikoprofil abhängen. Nach der Lektüre dieses Leitfadens kennen Sie: • die Anforderungen der deutschen Bundesregierung und einschlägiger internationaler Rahmenwerke; • Methoden, mit denen Sie prüfen können, ob Ihr derzeitiger Ansatz den Anforderungen an menschenrechtliche Beschwerdemechanismen genügt; • die Bausteine eines menschenrechtlichen Beschwerdemechanismus; • Ansätze, Ihr „Ökosystem“ für menschenrechtliche Beschwerdemechanismen zu verstehen und zu verbessern; • praxisnahe Unternehmensbeispiele; • Argumente, um im Unternehmen Überzeugungsarbeit leisten zu können. Die Anleitungen in diesem Leitfaden werden Ihnen dabei helfen, einen Zugang zum Thema Beschwerdemechanismen zu entwickeln, der den Anforderungen des NAP und der UN Leitprinzipien für Wirtschaft und Menschenrechte (UNLP) entspricht. globalcompact Deutschland 2018 23

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